Rasseinfos

Herkunft – Abstammung – Rassemerkmale – und anderes.

Norwegische Hengstübersicht

Stammlinien

Dem Betrachter von Fjordpferden springt eine Tatsache sofort ins Auge: Alle Fjordpferde sehen sich sehr ähnlich! In der Tat ist das Fjordpferd eine der wenigen Rassen, mit einem so einheitlichen Erscheinungsbild. Diese Ähnlichkeit ist darauf zurückzuführen, daß fast alle heute lebenden, reinrassigen Fjordpferde über ihre männlichen Vorfahren Nachkommen der drei Hauptlinienbegründer sind:
ØYARBLAKKEN N 819 – mittelgroß, selbstbewußt, temperamentvoll, mit guten Linien und einem korrektem Fundament, HÅKON JARL N 645 – hübsch, typvoll mit hoher Aufrichtung, guten Linien und mit energischen Bewegungen, BERGFAST N 635 – relativ klein, aber mit guten Bewegungen und viel Behang. Diese drei Hengste stammen wiederum von NJÅL N 166 ab, der als Urvater der Reinzucht im Mutterland gilt.

Rosendalsborken

Warum heißen Fjordpferde “Norweger”?

Rassebezeichnung und Herkunft
Um die tatsächliche Bezeichnung dieser Rasse herrscht ziemliche Verwirrung. Die korrekte Rassebezeichnung lautet „Norwegisches Fjordpferd“. Sie wird gerne mit „Norweger“, „Fjord“, „Fjordi“, „Fjording“ oder „Fjordpferd“ abgekürzt.

Eines unserer Ferienkinder erklärte mir ganz ernsthaft, daß die Pferde mit langer Mähne „Norweger“ und die mit kurzer Mähne „Fjordpferde“ heißen! 

Der Name verrät schon die Herkunft:
Die Rasse stammt ursprünglich aus den westlichen Distrikten Norwegens, auch „Vestland“ genannt. Die Landschaft dort ist geprägt von schroffen Bergen, in die die für Skandinavien typischen Fjorde tief einschneiden. Das ursprüngliche Fjordpferd entstand aus den Pferden der Wikinger, die auf ihren Raubzügen auch keltische (heute England und Irland) Pferde erbeuteten und mit ihren schon vorhandenen Pferden kreuzten. Die genaue „Rassemischung“ von damals ist bis heute immer noch nichtentschlüsselt.

Es besteht eine unübersehbare Ähnlichkeit mit den Przewalski Pferden, der letzten noch lebenden echten Wildpferderasse der Welt, die in der Mongolei heimisch ist. Das lässt auf gemeinsame Vorfahren schließen, konnte jedoch bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden.

Zuchtentwicklung
Als die Wikinger seßhaft wurden sorgten sie mit Landwirtschaft und Handel statt mit Raubzügen für ihren Lebensunterhalt.
Deshalb setzten sie ihre Pferde im Ackerbau und zum Transport von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Handelsgütern über die Berge ein. Folglich züchteten sie Tiere, die über eine große Trittsicherheit, verbunden mit hoher Tragfähigkeit, verfügten. Durch natürliche Selektion, wie zum Beispiel karges Futterangebot und menschliche Auswahl, entstand ein kleines, genügsames und robustes Gebirgsarbeitspferd.

Stute Lea und Fohlen Littla ( Foto: Tietgen)

Weitere Zuchtentwicklung
Im Zuge der wachsenden Landwirtschaft in Norwegen wurde vom Staat um ca.1820 auch die Fjordpferdezucht erfaßt und organisiert.
Bis ca. 1876 wurden auch fremdrassige Pferde, überwiegend Dölepferde, eine ebenfalls in Norwegen heimische Kaltblutrasse, eingekreuzt, um die damals noch sehr kleinwüchsigen Fjordpferde (Stockmaß ca. 130 cm) größer und stärker zu züchten.
Die Mischlinge konnten jedoch in ihren charakterlichen Eigenschaften nicht überzeugen, weil sie oftmals schwierig im Umgang und wenig arbeitswillig waren. Deshalb wurde ab 1886 eine Rassebereinigung durchgeführt, indem alle nicht reinrassigen Pferde von der Weiterzucht ausgeschlossen wurden. Seitdem wird das Fjordpferd in Norwegen „rein“ gezogen, d.h. es wird kein Fremdblut mehr eingekreuzt. Verbesserungen wurden durch konsequente Selektion innerhalb der Rasse erreicht.

Ungefähr ab den 1960er Jahren wurde das Fjordpferd, wie weltweit viele andere Rassen auch, durch die fortschreitende Technisierung der Landwirtschaft und des Transportwesens mehr und mehr verdrängt. Folglich gingen die Bestandszahlen teilweise drastisch zurück.
In Norwegen ist der Reit- und Fahrsport auf Fjordpferden jedoch nicht sehr verbreitet. Es werden Warmblutpferde bevorzugt.
Die Zucht und Haltung von Fjordpferden liegt nach wie vor größtenteils in bäuerlicher Hand. In einigen Gegenden wird noch traditionell mit den Fjordpferden Holz gerückt und Feldbau betrieben, weil in den unwegsamen Gebirgsgegenden Landmaschinen nicht gegen ihre trittsicheren 1-PS-Kollegen ankommen können! Obwohl das Fjordpferd das norwegische Nationalsymbol ist, und viele Landbewohner aus Tradition ein bis mehrere Fjordis „hinter dem Haus“ haben, sind die Bestandszahlen tendenziell rückläufig.

Verbreitung, erste Importe, Zucht in Deutschland
In Deutschland wurden Fjordpferde erstmalig im Jahr 1883 auf einer Landwirtschaftsausstellung gezeigt. Sie sollten wirtschaftlicher sein als Kaltblüter. Das heißt: Mehr leisten und weniger fressen! Der erste größere Import von 18 Pferden aus Norwegen fand im Jahre 1940 statt.
In den Nachkriegsjahren stieg die Nachfrage nach genügsamen, starken Arbeitspferden enorm. Da kriegsbedingt die Bestände einheimischer Pferde stark verringert waren und auf jeden Fjordhengst nur sehr wenige reinrassige Stuten kamen, wurden auch andersrassige Pferde und Ponies von den Fjordhengsten gedeckt. Diese Mischlinge wurden als Fjordpferde in die Zuchtbücher eingetragen. Im Jahre 1954 faßte die „Arbeitsgemeinschaft der Pony- und Kleinpferdezüchter“ den Beschluß, nur noch solche Stuten ins Stutbuch aufzunehmen, die auf der Mutterseite in drei Generationen die Anpaarung mit reinrassigen Fjordhengsten nachweisen konnten.

Nach und nach wurden verstärkt reinrassige Fjordpferde aus Norwegen und Dänemark, das zu dieser Zeit bereits über eine blühende Fjordpferdezucht verfügte, importiert. So kamen immer mehr reinrassige Stuten zum Zuchteinsatz und die Reinzucht setzte sich langsam durch, da auch die deutschen Kreuzungsprodukte – wie schon die norwegischen Gegenstücke – oft schwerwiegende Charakter- und Gebäudemängel aufwiesen.

Noch immer gehen einige in Deutschland gezogene Fjordpferde auf diese Kreuzungsprodukte früherer Zeit zurück.
Sie tragen, obgleich reichlich „verdünnt“, die Gene andersrassiger Pferde in sich. Dieser Fremdblutanteil ist jedoch so gering, daß er züchterisch fast keine Rolle mehr spielt.

Auch hierzulande fielen leider fast alle Fjordpferde der Technisierung der Landwirtschaft zum Opfer. Erst nachdem die Freizeitreiter das anspruchslose, freundliche Fjordpferd für sich entdeckten,wurde dieser drastische Rückgang der Bestandszahlen gestoppt.

Der schwere Wirtschaftstyp konnte den steigenden Anforderungen an Beweglichkeit, Vielseitigkeit und Rittigkeit jedoch nicht lange standhalten. Also versuchte man, ein der Nachfrage entsprechendes Pferd zu züchten. Erneute Versuche mit Fremdbluteinkreuzungen schlugen – wie auch damals – total fehl. Mit Reinzucht und sorgfältiger Selektion erreichte man schließlich das gesetzte Ziel.

Heute gibt es schon reingezogene Fjordpferde, die im Körperbau und der Qualität der Grundgangarten einem Reitpony sehr nahe kommen. Leider fehlt diesen sehr leichten „Reittypen“ oft die Ruhe und Gelassenheit, die für Fjordpferde so typisch ist.
In letzter Zeit ist in der Zucht wieder ein Trend zurück in Richtung Originaltyp zu beobachten. Immer mehr Hengste aus dem Mutterland kommen in Deutschland zum Zuchteinsatz.

Heute ist das Fjordpferd fast weltweit verbreitet, der Bekanntheitsgrad steigt langsam, aber stetig.

Erscheinungsbild
Das Fjordpferd erscheint dem Betrachter vom Typ und Gepräge her als ein großes, kompaktes Pony, ausgestattet mit eher untersetztem Körperbau.

Trotz der widersprüchlichen Rassebezeichnung gehört das Fjordpferd in die Rassegruppe der Ponies. Das durchschnittliche Stockmaß liegt bei ca. 142 cm, wobei die Schwankungsbreite zwischen 135 und 150 cm liegen kann. Wallache können gelegentlich noch größer werden. Das gewünschte Stockmaß für Zuchtpferde beträgt 138 bis 148 cm. Abweichungen nach oben oder unten können bei qualitativ guten Pferden geduldet werden. Die Nachfrage für Freizeitpferde liegt jedoch deutlich über der 140 cm-Grenze.

Der Kopf ist überwiegend hübsch und markant mit großen, ausdrucksvollen, dunklen Augen, die Sanftmut und Gelassenheit ausstrahlen. Gelegentlich kommen auch hellere, bernsteinfarbene Augen vor. Der Hals erscheint oft kurz und schwer, was durch die Stehmähne noch betont wird. Heutzutage wird mehr Wert auf einen längeren gut geformten Hals gelegt. Der Rumpf ist tief mit breiter Brust und einem mittellangen Rücken. Die Beine sind kräftig mit breiten, starken Gelenken. Die Hufe sind hart und gesund.

Die genauen Rassestandards und die Zuchtzielbeschreibung können von den jeweiligen Landespferdezuchtverbänden angefordert werden.

Auffallend ist die Farbgebung des Fjordpferdes:
Es erscheint ausschließlich als Falbe in verschiedenen Schattierungen. Allen Falben gemeinsam ist der typische Aalstrich, der vom Schopf über Mähnenkamm und Rücken bis in den Schweif verläuft. Gelegentlich taucht das sogenannte „Schulterkreuz“ auf, das über den Widerrist auf beide Schulterblätter reicht.

Die „Zebrastreifen“ an den Beinen sind mal mehr und mal weniger ausgeprägt. Fjordpferde-typisch ist auch die durch den Aalstrich klarabgegrenzte, deutlich zweifarbige Mähne. Je nach Farbschattierung des Falben kann der Aalstrich von tief schwarz bis hell rotblond sein. Die äußeren Haare sind immer cremefarben bis weiß.
Diese ausgeprägte Zweifarbigkeit kommt bei keiner anderen Pferderasse in dieser ausgeprägten Form vor.

Farben

Wenn mehrere Fjordpferde näher betrachtet werden, sieht man schnell, daß Falbe nicht gleich Falbe ist. Die häufigste Farbvariante ist der Braunfalbe. Beim Braunfalben werden folgende Farbabstufungen unterschieden:

Hellbraunfalbe:
Deckhaar: braunbeige,
Aalstrich: im Langhaar schwarz oder schwarzbraun, auf dem Rücken meist dunkelbraun,
Maul: Mehlmaul,
äußeres Mähnenhaar: weiß bis hell cremefarben

Hellbraunfalbe, der norwegische Prämienhengst "RESEN"

Braunfalbe:
Deckhaar: dunkleres braunbeige, manchmal etwas rötlich,
Maul: Mehlmaul, gelegentlich auch gleichfarbig mit dem Deckhaar,
äußeres Mähnenhaar: weiß bis hell cremefarben

Braunfalbe, Hengst "Skagen" Foto: Gerung

Dunkelbraunfalbe:
Deckhaar: kräftiges, dunkles braunbeige, oft dunkel rötlich, sonst wie Hellbraunfalbe
Maul: gleichfarbig wie Deckhaar, selten Mehlmaul,
äußeres Mähnenhaar: kann etwas bräunlich oder gräulich sein
Die weiteren Farbvarianten sind eher selten:

Rotfalbe (ca. 5%): in den gleichen Unterscheidungen wie der Braunfalbe.
Deckhaar: hell rötlich bis kräftig hellrot / bräunlich,
Aalstrich: hell bis dunkel rötlichbraun, manchmal kaum sichtbar
Maul: beim Hellrotfalben Mehlmaul nicht erkennbar, bei den anderen mehr oder weniger ausgeprägt
äußeres Mähnenhaar: weiß bis hellrötlich manchmal hellbraune oder graue Augen,
oft helle oder gestreifte Hufe, weiße Abzeichen kommen bei Rotfalben eher häufiger vor,
als bei den anderen Farbvarianten

Rotfalbe, Hengst "Inrico" Foto: M.Schwöbel

Graufalbe (ca. 5%): gleiche Unterscheidungen wie vor,
Deckhaar: hell beigegrau bis kräftig dunkelgrau,
Aalstrich: schwarz in der Mähne, auf dem Rücken manchmal dunkelgrau
Maul: Mehlmaul nur beim Hellgraufalben, der Kopf ist insgesamt dunkler als der Körper
äußeres Mähnenhaar: weiß bis hellgrau

Graufalbe, Hengst "Haavaniko" Foto: M.Schwöbel
 
Graufalbe Hengst "Minor"

Weißfalbe (ca. 2%): ohne Unterscheidungen
Deckhaar: hell, schaffarben bis weiß,
Aalstrich: immer tief schwarz

Weißfalbe, Hengst "Hermanto" Foto: G. Bahruth

Gelbfalbe (ca. 0,5%):
Deckhaar: wie beim Hellfalben,
Aalstrich: wie beim RotfalbenAlbinos: schneeweiß, ohne Aalstrich, blau-rötliche Augen.
Albinos fehlen aufgrund eines erblichen Gendefektes sämtliche Hautpigmente.
Äußerst empfindlich gegen Sonneneinstrahlung, Sonnenbrand auf Haut und Netzhaut
der Augen – der zur Erblindung führen kann – sind die Folge. Kommen äußerst selten vor.

Hengst "Glogg" Foto: Bahruth

Die endgültige Farbschattierung des Fjordpferdes wird erst nach dem zweiten Fellwechsel, im Alter von ca. einem Jahr, sichtbar.

Abzeichen
können an Kopf und Beinen vorkommen, sind jedoch relativ selten. Oftmals können sie auf eine Frembluteinkreuzung hinweisen, vor allen wenn sie an den Beinen auftreten, oder am Kopf größer sind als ein kleiner Stern. Auch, wenn die Einkreuzung schon viele Generationen zurückliegt, laut Zuchtbuchordnung und Zuchtzielbeschreibung sind weiße Abzeichen allerdings bis auf einen kleinen Stern bei Stuten unerwünscht. Solche Tiere sollten generell nicht in der Zucht eingesetzt werden, damit sich die Erbanlage für Abzeichen nicht weiter verbreitet.

Eine Änderung der Zuchtzielbeschreibung hinsichtlich der Abzeichen wird zur Zeit diskutiert.
Der Wert als Familienfreund, Reit- oder Fahrpferd wird durch das Vohandensein von Abzeichen selbstverständlich nicht beeinträchtigt

Verschiedene Typen
Bedingt durch naturgegebene Unterschiedlichkeit der einzelnen Pferde und die Umzüchtung in Richtung „Reittyp“, entstanden beim Fjordpferd verschiedene Typen. Grob gesehen unterscheiden wir hier Drei:

Schwerer Typ:
Entspricht dem ursprünglichen Arbeitspferdeschlag. Schwere, massige Pferde mit kurzem, dicken Hals, kräftigem Fundament, breiter Brust und oft derbem, großen Kopf. Sie sehen aus, wie kleine Kaltblüter.

Leichter oder Reittyp:
Entspricht dem zur Zeit von einigen Verbänden gewünschten Zuchtziel. Leichte, elegante, hochbeinige Pferde mit langen, schlanken Hälsen und feingliedrigem Fundament. Meist sehr gute, raumgreifende Grundgangarten und hervorragende Leistungsfähigkeit im Sport. Oft mit viel Temperament und großer Sensibilität ausgestattet, was den Umgang für nicht so erfahrene, unsichere Reiter unter Umständen schwierig machen kann.
Ein gelegentlich auftretender Nachteil ist die durch den leichten Körperbau bedingte, verminderte Fähigkeit Gewicht zu tragen. Das macht das Pferd für schwerere Reiter ungeeignet, besonders, wenn es sich um kleine
Tiere handelt. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen!

Mittlerer Typ:
Zum mittleren Typ gehören alle Pferde, die zwischen dem leichten und dem schweren Typ liegen. Hier findet der normale Freizeitreiter häufig das geeignetste Pferd. Äußeres und Temperament können – je nach Zuchtlinie – deutlich unterschiedlich sein.

Die Besonderheit und Stärke dieser Rasse liegt in ihrer großen Vielseitigkeit:
Papa kann westernreiten,
Mama macht heilpädagogisches Voltigieren,
die Tochter startet in kleinen Dressurprüfungen,
die Kusine reitet Geschicklichkeitsturniere und Orientierungs/Wanderritte,
der Sohn möchte Springreiten
und Oma und Opa – oder alle zusammen – fahren gemütlich
am Wochenende mit der Kutsche spazieren-
und das alles mit ein und demselben Pferd ! -
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Weitere Informationen über diese liebenswerte Rasse finden Sie in dem Fjordpferdebuch:

“Fjordpferde -irgendwie anders-”
von Frau Christina Tietgen
Pferdewirtschaftsmeisterin

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